Artikel: Der Podcast, das Allround-Talent (partners.vice.com)

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Plötzlich war er da. Das Nischenmedium Podcast etablierte sich in den letzten Jahren zum Mainstreamprodukt der Millennials. Warum hören wir so gern anderen Leuten beim Reden zu, während wir Auto fahren, joggen oder kochen? Um den Erfolg des Podcasts zu verstehen, müssen wir weit zurückreisen, denn seine Geschichte beginnt passenderweise während der Jahrhundertwende.

Im Jahr 2000 wurde das Konzept des Podcasting in den USA zum ersten Mal vorgeschlagen. Als 2005 der iPod von Apple entwickelt wurde, steckte das Medium bereits im Namen – zu diesem Zeitpunkt war es schon möglich, Audiodateien anzuhören und der Podcast konnte durch die verbreitete Software iTunes den Nutzern zugänglich gemacht werden, was zumindest in den USA langsam anrollte.

Steve Jobs, Mitgründer der Firma Apple, erklärte 2005 das Podcasting als „TiVo für den Radio“, was das Ganze zumindest damals auf den Punkt brachte, denn TiVo ist ein persönlicher Videorekorder, der in den USA am weitesten verbreitet ist, um Fernsehsendungen aufzuzeichnen, also persönlich selektierte Unterhaltung ohne nervende Werbespots bereitzustellen. Apple bot im selben Jahr 3000 kostenlose Podcasts auf iTunes an und Steve Jobs sollte Recht behalten mit seiner Vision – auch wenn es noch einige Jahre dauerte, bis amerikanische Werbemacher ebenfalls auf den Zug aufsprangen und das Medium dorthin gepusht wurde, wo es in den USA heute steht.

Mit dem Launch von Serial kam der weltweite Erfolg des Konzepts, Audiodaten herunterzuladen und anzuhören. Der Podcast, der von der Radiosendung This American Life produziert wird, lief im Oktober 2014 an und beschäftigt sich pro Staffel mit jeweils einem ungeklärten Kriminalfall. Es war der erste Podcast, der am schnellsten die 5-Millionen-Download- und Streamingmarke bei Apple knackte und ist einer der erfolgreichsten weltweit. Heute, knapp vier Jahre später, ist die dritte Staffel in Planung, während Podcasts gerade für Millennials aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind – warum ist das so?

Eine ganze Generation ist ständig in Bewegung, ständig reizüberflutet. Während wir Netflix gucken, scrollen wir durch Facebook, während wir Auto fahren, telefonieren wir mit dem Headset, während wir auf dem Weg zu einer Verabredung sind, posten wir ein Video in die Instagram-Story – das ist der Alltag derer, die am meisten Podcasts hören: Laut einer ARD/ZDF-Onlinestudie nutzen rund 13 Prozent Podcasts, was 7,5 Millionen Menschen in Deutschland ausmacht. Junge Leute bilden die Kerngruppe der Zuhörer, sind technikaffin und auch auf Social Media-Plattformen stark vertreten. Wie sieht es abseits der Millennial-Blase aus? „Podcasts haben eine Chance, groß zu werden. Aber im Mainstream sind wir noch nicht angekommen, wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Paul Huizing, Podcastprogrammverantwortlicher bei Audible. „Autoren, Soundengineers, Hosts und Redakteure müssen bezahlt werden können. Wer Podcasts als professionelles Medium erkennt, wird sehen, dass es noch viel zu tun gibt.“

Was macht das Medium so besonders, neu und einzigartig? Ziemlich einfach. Die Audiodateien zu konsumieren, lässt sich unfassbar gut in jeden Alltag integrieren. Die meisten hören Podcasts beim Auto fahren, aber auch beim Sport und vor allem auf Reisen, sprich, beim Unterwegssein. Durch die Vernetzung unserer Welt kam die Mobilität, der Alltag wurde schneller, da passt das Medium des Hörens viel besser hinein als das Lesen eines geschriebenen Wortes, sei es online oder Print.

Ein weiterer Vorteil ist auch die vermittelte Intimität, mit denen Podcasts arbeiten – wir hören Menschen zu, die sich über die unterschiedlichsten Themen unterhalten oder ihr Fachwissen in langen Monologen teilen, inklusive Lachen, Versprechen, persönlichen Momenten und unangenehmen Pausen. Das macht Spaß beim Zuhören, vermittelt Nähe und somit auch Authentizität, denn die Stimme eines Menschen transportiert Atmosphäre und bringt dadurch den Inhalt genau so echt rüber, wie er gemeint ist. „ In den USA gibt es bereits hochprofessionelle Formate, während andere mit ihren Gästen einfach wahnsinnig gut diskutieren können – diese Vielfalt macht es aus“, sagt Huizing.

Ein Blick in die iTunes-Charts zeigt, wie abwechslungsreich die Formate tatsächlich sind – Comedy, Sex, Persönlichkeitsentwicklung, Politik, Wissen, Gesundheit – während vor allem richtig persönliche Formate boomen, nutzen mittlerweile auch Zeitungen und Fernsehsender das Medium und sind erfolgreich damit.

Und wie geht es nun weiter? Huizing sagt, „es braucht nun neue Herangehensweisen und weniger Zweitverwertung. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die das nun angehen und sich die Frage stellen, wie man Inhalte durch Podcasts neu aufbereiten kann.“

Denn kein anderes Medium fügt sich so gut in unsere Zeit ein und bietet so unterschiedlichen Mehrwert – der Podcast, das Allroundtalent.