Zwei Tage im Jahr

Alles ist immer ein bisschen schwerer in der fröhlich fruchtigen Jahreszeit. Die Kleider schwingen zwar, das Eis rutscht gekonnt von der Waffel, der Boden im Schwimmbad ist rutschig, bitte hier aufpassen. Doch wenn die Augenlider zufallen, die Gliedmaßen über den Boden schleifen, wenn die Sonne durch die Holzjalousie blinzelt, dann schleicht sich auch das Gefühl von Melancholie hinein, legt sich zwischen Sommernächte, und das viel schneller, als wir im Auto nach Italien sitzen können.

Er soll schön und leicht und frisch und nur manchmal so richtig heiß sein, er soll in die Bewegungen auf den Straßen hineinfallen, er soll streicheln beim Lachen und streifen beim Küssen und das so unangestrengt wie die Makellosigkeit der Hochglanzcover. Doch dahinter steckt viel Arbeit, das tut sie immer. Was einfach aussieht, hat meist einen anstrengenden Weg hinter sich, mindestens mal einen langen Winter, und ist es geschafft, ruht man sich kurz aus, mit einem kalten Bier oder Rosé in der Nacht. Er kann so schwer sein, das sehen die meisten nicht.

Die Erwartungen sind hoch, ungefähr drei Eisballen über der Waffel, und deswegen sind alle, am Ende vor allem er selbst, immer ein wenig überfordert. Freie Zeit wird durchgetaktet, der Gedanke ist anstrengend, die drei Stunden nach Feierabend noch genießen zu müssen, nichts mitbringen zu dürfen außer der guten Laune, für nichts ist Platz außer für ihn, aber das reicht doch zwei Tage, um glücklich zu sein, sagen wir uns dann, und schieben den Rest unseres Lebens ganz kurz beiseite.

Und ja, er ist so schön, wahrscheinlich ist er das Schönste, das wir haben, wenn wir ihn lassen und damit auch seine Melancholie. Das schwere Atmen durch den Tag, das geht Hand in Hand mit der bunten Garderobe und dem Duft, den plötzlich alle an sich haben. Das sanfte Ausatmen, wenn die Schwüle zur Kühle wird, dann öffnen sich die Fenster und alle schauen raus, dann spielt Moon River in den Straßen und wir schunkeln uns gemeinsam in diesen diffusen Schlaf. Weil zwei Tage im Jahr einfach alles gut ist. Es ein bisschen zu heiß ist, aber wen stört das schon. Es sind zwei Tage im Jahr und die Ansprüche sind hoch, ein bisschen zu hoch, wie immer halt, aber das war eben nie anders und die Erkenntnis ist so vertraut wie der pinke Himmel am Stadtrand und die Lichter, die langsam verschwinden.



Eine Antwort zu “Zwei Tage im Jahr”

  1. […] Soundtrack für wichtige Gedanken. Oder Gefühle, die sich nicht wegschieben lassen. Oder beides. Der Sommer darf melancholisch sein. Schließlich singt Bon Iver it might be over soon. Und so fühlt es sich auch […]