Kleines Tierlexikon

Im Holztisch schmatzt es. Wenn ich im Bett liege, fängt es an, am Anfang bin ich aufgeschreckt, mittlerweile öffne ich lediglich meine Augen. Der Mond scheint durchs Fenster, das riesige Netz über mir ist so weiß wie unpassend. Ich schlafe unter Nylon, und es ist vollkommen normal, es immer in die Ritzen zu stecken und niemals vorher einzuschlafen. Das ist ungeschriebenes Gesetz und deswegen muss man nachts auch nicht aufs Klo.

Es gibt Grashüpfer, die fliegen können, zumindest bilden sie sich das ein. Wenn es im Flur leise knallt, dann ist wieder einer gegen die Türen geflogen. Peng, peng, peng, immer mindestens drei Mal, sogar wenn die Türen offen sind, dann müssen eben die Wände dran glauben. Muss ich jedes Mal an Squash denken und daran, dass ich es noch nie gespielt habe.

Kakerlaken sterben nicht unbedingt, wenn man sie erschlägt, das wäre aber auch nicht stringent, schließlich haben sie die Dinosaurier hinter sich gelassen. Sie sterben auch nicht unbedingt, wenn man sie aus Versehen halbiert, die zweite Hälfte läuft manchmal weiter. Das sind dann die Momente, in denen mir immer klar wird, dass ich das einzige Mädchen hier bin. Das heißt aber auch, dass ich mich umdrehen kann und weiß, dass die Arbeit jemand anderes erledigt und da werde ich dann rührselig, selbst wenn es zuckt im Eck.

Ameisen mag ich, ihren Alltag finde ich faszinierend. Sie sind strukturierter als Menschen es jemals sein könnten. Sie blicken immer nach vorne, passen auf den Nachbarn auf, definieren Teamwork komplett neu, und die Königin wird eskortiert. So effizient die Tierchen sind, man kann nicht anders, als ihnen einen Job anbieten, sie sind die fleißigsten im ganzen Haus. Und manchmal, wenn ich die riesigen Straßen auf dem Plateau betrachte, finde ich den Beruf des Ameisenforschers seltsam attraktiv.

Letzten Freitag wurde sie von einer Kobra angespuckt, direkt in die Augen. Sie hatte die Schlange gestört, als sie auf der Suche nach Holz war. Die seien hier überall, sagte jemand, und ich nahm einen großen Schluck Wein, vielleicht war es ein Glas. Im Krankenhaus war kein Arzt, Feiertag, der kam erst am Montag wieder. Also spülte sie drei Tage lang ihre Augen mit Wasser aus. Heute habe ich erfahren, dass sie nach Hause darf und dass sie sehen kann. Ich kann zwar nicht mit Socken und Turnschuhen, aber ich passe jetzt besser auf.

Im Garten mache ich Yoga, die Krähe, bis die Sonne untergeht stelle ich mich auf meine Arme, das klappt mal mehr, mal weniger, aber dass es mindestens ein Mal klappt, zeigt ein Beweisfoto. Dabei kann man dann ganz wunderbar die Stiche auf den Händen und Füßen zählen, eine notwendige Inventur, um auf dem neuesten Stand zu sein, aber so viel Zeit bleibt nie, deswegen ist sie immer unvollständig. Hauptsache, sich nachts unter den feinmaschigen Himmel rollen, dann ist alles gut und gezählt werden da wenn überhaupt die Schäfchen.

Da sind ein paar Tiere mehr jetzt, ein Umstand, der die Sache weder einfacher noch schwerer, jedoch aufwendiger gestaltet. Alles in allem ist alles gleich geblieben und auch wenn der Tisch jetzt schmatzt, die Gegenstände darauf sind dieselben.



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