Kellerkinder

Der Jazz-Player in dem Kellerclub neben der Blue Note an einem kalten Aprilabend. Es schneite, doch hier unten lag der wärmste Ort der Stadt. Der Platz neben mir war leer, obwohl ich wusste, dass du da gesessen hast. Noch heute frage ich mich manchmal, ob du auch diesen Platz neben dir hast. Und wenn nicht, ob du von meinem weißt.

Wie viele Schatten wir haben. Die wir hinter uns herziehen, bis wir uns von ihnen verabschieden, in dunklen Kneipeneingängen oder davor. Deinen Blick werde ich nie vergessen, als dir das bewusst wurde, und alles, was du wolltest, Vergebung war.
Manchmal sehe ich dich, doch dann schiebt sich die Gegenwart dazwischen. Du löst dich auf und was von dir übrig ist, trage ich mit mir, solange ich mich erinnern kann. Ich weiß nicht, warum ich mich fürs Erinnern entscheide.

Die Leichen im Keller sind weder Leichen noch im Keller, das ist ja das Absurde. Man redet sich schön, wie man sie lagert, verstaut, das Licht ausmacht, jetzt einen Wein. Auf das akribische Stapeln, auf das herrliche Gefühl des Vergessens! Wenn das trügerische Wissen sich aus dem Glas schleicht, schenkt man nach und ertränkt es wieder; aber der Keller, der ist immer leer und man selbst bewegt sich zwischen den Schichten aus Vergangenheit und Gegenwart, man entscheidet selbst, wer daneben sitzt, nebenher geht, wer mit durch die Tür huschen darf.

Solange ich mich also erinnern will, bekommst du diesen Platz. Von den Menschen, die gehen, bleiben ein paar wenige immer ein bisschen länger. Eine friedliche Koexistenz, ein Lächeln, Nicken. Du hast immer einen Hut getragen, du hättest dir an die Krempe fassen können, so dass nur ich es sah. Und später hätten wir mal sagen können, dass das alles abgesprochen war.

Wir kennen uns nicht mehr, grüßen uns aber. An kalten Tagen im April, in den Kellern von New York, und manchmal davor, auf den Straßen.



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