Jetzt.

Die Sache ist die: Irgendjemand hat uns irgendwann diesen Stempel aufgedrückt und wir alle rennen jetzt mit Abdruck auf der Stirn durch die Gegend. Suchend, fragend, schauen uns perplex an – diese Generation, ein Sammelbecken aus Grüblern, aus Jein-Sagern und Warum-Fragern. Aus Gelangweilten?

Wir beenden Beziehungen durch Ghosting, unser Plan A ist das Reisen und der Plan B die neue Netflix-Serie. Aber sind wir nicht auch genau diejenigen, die Sinnfragen in den Mittelpunkt stellen, die gut (aus)gebildet sind und für die das Schlagwort Freiheit über allem steht?

Ich zähle mich nicht zu den Menschen, die nicht wissen, was sie wollen. Ich wusste schon immer, was ich will, und trotzdem gehöre ich zu dieser Generation – nicht nur, weil ich 28 bin, sondern, weil ich jeden Morgen als Erstes auf mein iPhone blicke, mich 1-2 Minuten durch Instagram scrolle, um wach zu werden, und mich dabei jedes Mal frage, ob ich keine klügeren Entscheidungen treffen könne.

Diese Woche bin ich einmal um 15 Uhr ins Schwimmbad gegangen. Meine Schreibblocklade setzte sich wie Blei in meinen Gehirnwindungen ab: Nichts ging mehr. Also packte ich meine sieben Sachen und fuhr zum städtischen Pool. Auf dem Weg dorthin malträtierte mich mein schlechtes Gewissen. Ich wusste, dass niemand meiner Freunde mich hier und jetzt begleiten konnte, weil sie alle arbeiten mussten. Ich wusste aber auch, dass ich Teil eines Konzeptes bin, dass es immer häufiger gibt – diejenigen, die Freiheit und berufliche Unabhängigkeit mehr lieben als (fast) alles andere.

Der Moment, in dem ich untertauchte, war der beste. Alles ist spürbar leicht, alles ist hellblau, alles ist still und wenn man etwas hört, dann klingt es verzerrt und meilenweit entfernt. Ich musste grinsen, es wenige Dinge, die mich so glücklich machen, wie unter Wasser zu sein.. Und da dachte ich mir wieder: Verdammt, ich weiß doch, was ich will. Und ich bin doch gar nicht so antriebslos und passiv, wie es in der Kritik zu unserer Generation heißt. Im Gegenteil: Ich kenne fast ausschließlich Menschen, die etwas bewegen wollen, die diese Welt verbessern wollen, die sich den Kopf zermartern, welcher Job der richtige für sie sein könnte.

Der Punkt ist: Es geht uns einfach gut, und ich sage hier bewusst nicht zu gut, denn das wäre respektlos in diesem Zusammenhang.

Es geht uns gut und das dürfen wir im Namen der vorangegangenen Generationen auch nutzen dürfen. Sagen dürfen. Wir dürfen es uns gut gehen lassen, weil wir schlichtweg nicht wissen, wie lange das geht, und wenns vorbei ist, ist’s vorbei.

Wir sind sehnsüchtige Menschen, die vieles wollen, sich aber oftmals zu wenig zutrauen. Wir sind (Zer-)Denker, aber da sind auch ganz viele Macher unter uns – oder bin ich die einzige, die den Begriff Start-up nicht mehr hören kann? Wir beschäftigen uns mit dem Aufstieg und Fall der Kardashians und unser Ego wird mit jedem Like mehr gestreichelt, aber am Ende des Tages wissen wir doch alle, um was es wirklich geht. Wir suppen nicht an der Oberfläche herum, wir tauchen unter. Weil wir es wollen und weil wir es können. Da gibt’s kein tinderelles Wisch und Weg, da gibts nur Hier und Jetzt und das klebt fest.

Wir wissen doch alle, was wir wollen. Wir hadern nur mit dem Sollen.



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